Wenn Realität und Fiktion verschmelzen

FLORA & FAUNA MAGAZIN | 2019

Das Pinehouse ist ein Studio welches im HiRes Bereich Kunden von der Konzeption bis zur Umsetzung den ganzen workflow im Bereich CGI, Bildbearbeitung, Fotografie, Printproduktion, Fotoproduktion und Film anbietet. Ein Interview mit Inhaber Matthäus Walotek.

Interview: BRITT WANDHÖFER

Was ist CGI eigentlich genau?

Matthäus Walotek: CGI, also Computer Generated Imagery, sind Bilder, die mittels 3D-Software und Bildsynthese am Bildschirm entstehen.

Welche Möglichkeiten bieten sich dank CGI?

Die Möglichkeiten von Renderings, also der Erzeugung eines Bildes aus Rohdaten, sind im Prinzip grenzenlos. Genau das macht es für Kunden so interessant. Gerade wenn es um Produkte geht, die noch gar nicht fotografiert werden können, weil beispielsweise das Fahrzeug, was in zwei Monaten bereits vermarktet werden soll, bislang nur auf dem Papier besteht. Oder wenn der Kunde eine ganze bestimmte Vorstellung von einem Produkt, einer Landschaft oder Architektur hat, die es in der Realität so nicht gibt. Um solche Renderings zu erzeugen, bauen wir das Produkt am Computer als 3D-Modell nach. Anschließend wird das Modell mit dem richtigen Material belegt und in einem virtuellen Raum platziert. Aus diesen Möglichkeit ergibt sich auch der enorme Vorteil von CGI, gerade bei großen Bildmengen: Innerhalb kürzester Zeit kann man verschiedenste Produktvarianten in unterschiedlichen Umfeldern, Ansichten und Bildsprachen realisieren. Und die Bilder unkompliziert an verschiedene Zielgruppen anpassen.

Braucht man die klassische Fotografie dann überhaupt noch? Oder werden in Zukunft alle Bilder am Computer erzeugt?

CGI ist nicht automatisch sinnvoller als die klassische Fotografie. Der Initialaufwand zur Erstellung eines Renderings ist relativ hoch. Und kostet entsprechend Zeit. Daher wird die computergenerierte Bildgebung die Fotografie auch langfristig meiner Meinung nach nicht komplett ersetzen können. In vielen Fällen wird eine Kombination von realer Fotografie und CGI genutzt, um ans gewünschte Ziel zu kommen. Die Zukunft gehört also beiden Bereichen. Und: Fotografisches Wissen ist auch bei CGI-Projekten unabdingbar. Das richtige Licht, die Perspektive etc. müssen hier ja auch mit geschultem Blick eingesetzt werden, um ein realistisches Bild zu erhalten – nur eben virtuell.

Eignet sich CGI für jeden Kunden?

Im Prinzip ja. Von abstrakten Motiven bis zu fotorealistischen Produktvisualisierungen ist alles machbar. Und die große Flexibilität, die einem 3D-Modelle geben, ist in der Produktfotografie natürlich unschlagbar. Allerdings kommt es immer auf das Projekt und die langfristige Zielgebung an, welche Methode am effektivsten ist. Ziel ist, unseren Kunden eine genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösung zu präsentieren. Das kann mal die klassische Fotografie sein, mal CGI oder auch eine Verschmelzung von beidem.

Das 3D-Modell des Fahrzeugs ohne Texturen im unbearbeitetem fotografierten Hintergrund.

MATTHÄUS WALOTEK

Seit über 15 Jahren arbeitet er als Fotograf und Bildbearbeiter in der Werbung und macht zudem Supervision. Er ist CO-Founder der Pinehouse GmbH und hier für den Bereich Kreation und Visuelle Umsetzung zuständig.